Bochumer Opel-Belegschaft fordert Klarheit für die Zukunft

Bochumer Opel-Belegschaft fordert Klarheit für die Zukunft

Bochum (dapd). Bangen am Opel-Standort in Bochum: Auf einer zusätzlichen Betriebsversammlung am (heutigen) Montag will die Belegschaft Klarheit von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke über die Zukunft des Werkes. Hintergrund sind Pläne des Autobauers, die Produktion des Modells Astra ab 2015 nach England und Polen zu verlagern. Die Gewerkschaften laufen dagegen Sturm.

Die Opel-Führung spiele die Belegschaften der Werke gegeneinander aus, kritisierte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel im Vorfeld der Betriebsversammlung. So habe das Management schon im Januar dem Stammwerk Rüsselsheim die Bochumer Produktion des Familienvans Zafira angeboten und als Gegenleistung dafür Zugeständnisse wie Lohneinbußen gefordert. Opel hat dagegen Pläne für die Zafira-Verlagerung immer entschieden dementiert.

Das Unternehmen hatte vergangene Woche entschieden, die Produktion des Erfolgsmodells Astra vom Stammwerk Rüsselsheim abzuziehen und ab 2015 nach England und Polen zu verlagern. Der Bochumer Betriebsrat fürchtet nun, dass dafür die Zafira-Herstellung nach Rüsselsheim gehen könnte und Bochum damit vor dem Aus steht.

Von der heutigen Versammlung erwarten die Arbeitnehmervertreter nach eigenen Angaben Aussagen des Opel-Managements, ob der Zafira weiter in Bochum gebaut wird. Zu der Versammlung kommen sollen auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Landeswirtschaftsminister Harry Voigtsberger (beide SPD).

Nach Angaben des Bochumer Betriebsratsvorsitzenden wären von einer Opel-Schließung in Bochum landesweit etwa 45.000 Arbeitsplätze auch bei Dienstleistern und Zulieferern betroffen. Das Werk sei der zweitgrößte Opel-Betrieb in Europa und arbeite mit der höchsten Auslastung im Dreischichtbetrieb.

dapd

Gewerkschaft macht Front gegen Opel-Management

Gewerkschaft macht Front gegen Opel-Management

München/Bochum (dapd). Opel-Betriebsräte und Gewerkschafter laufen nach dem verkündeten Abzug der Astra-Produktion aus Deutschland Sturm gegen das Management des kriselnden Autoherstellers. "Opel hat kein Kostenproblem, sondern ein Führungsproblem", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild der "Süddeutschen Zeitung". Die Lage an der Spitze des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) sei unübersichtlich. "Ich habe noch nie ein Unternehmen kennengelernt, wo es so wenig Vertrauen in die Führung gegeben hat", erklärte er.

Opel hatte entschieden, den Kompaktwagen Astra aus dem Stammwerk Rüsselsheim abzuziehen und ab 2015 nur noch im polnischen Gliwice und im britischen Ellesmere Port zu produzieren. Das englische Werk bekam den Zuschlag, weil die Mitarbeiter Lohneinbußen akzeptierten. Die Zukunft der Werke Rüsselsheim und Bochum ist durch die Astra-Verlagerung unsicher. Der Standort Bochum könnte vor dem Aus stehen.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug drohte, den Sanierungsbeitrag der Belegschaft zu kappen. Wenn britische Opel-Arbeiter unter anderem durch Lohnverzicht stärker zur Sanierung beitragen, bedeutet das, "dass wir hier in Deutschland weniger zahlen müssen. Und das werden wir", sagte er der "Welt am Sonntag".

Der Betriebsratsvorsitzende von Opel Bochum, Rainer Einenkel, warf dem Management vor, die Belegschaften der Standorte gegeneinander auszuspielen. Das Management habe Rüsselsheim den Zafira angeboten, wenn die Beschäftigten dort zu ebensolchen Zugeständnissen bereit wären wie in England. Opel hatte das allerdings dementiert. "Man muss zu einem sauberen Gespräch zurückkehren", forderte Einenkel.

Bei einer Betriebsversammlung am Montag will die Bochumer Belegschaft von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke Klarheit darüber, ob der Familienvan Zafira weiter dort vom Band laufen soll. "Das ist die Schlüsselfrage", sagte Einenkel. Zu der Betriebsversammlung will auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kommen.

Auch Gewerkschafter Schild verlangte von der Opel-Mutter GM einen Plan, der die Spekulationen um Werksschließungen beende. "Wenn die Unternehmensstrategie nicht bald eindeutig geklärt wird, droht eine Abwärtsspirale", erklärte er. Alle vier heimischen Standorte, auch Bochum, müssten aber erhalten bleiben. Neben Rüsselsheim und Bochum betreibt Opel auch Fabriken in Eisenach und Kaiserslautern.

"Das Unternehmen wird nicht gegen, sondern nur mit den deutschen Belegschaften zu retten sein", sagte Schild. Er bekräftigte die Entschlossenheit der Gewerkschaft und die Solidarität unter den Opel-Kollegen im Kampf für die deutschen Werke. "Wer Bochum schließen will, wird auf den Widerstand der ganzen IG Metall stoßen – in allen Opel-Standorten", erklärte Schild.

Dass die Belegschaft in Ellesmere Port für den Zuschlag des Astra unter Druck Lohnkürzungen akzeptierte, sei ein schlimmer Vorgang, sagte Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt. Opel habe die Existenzangst der Kollegen "eiskalt ausgenutzt". "Mit herbei gepressten Arbeitnehmer-Beiträgen kann man kein Unternehmen führen", erklärte er. Über Wochen seien alle europäischen Standorte mit Schließung bedroht worden. "Dass irgendwann der Schwächste umfällt, ist klar", sagte er.

Die Aussage von Opel-Chef Stracke, dass Ellesmere Port und Gliwice die "Eckpfeiler" der europäischen Produktion würden, sei unprofessionell und eine Provokation für die Belegschaften in Rüsselsheim und Bochum. "Das sagt viel über die Führungskultur bei Opel aus", sagte Schild.

dapd

Metall-Abschluss löst bundesweiten Tarifkonflikt

Metall-Abschluss löst bundesweiten Tarifkonflikt

Sindelfingen (dapd-bwb). Nach dem Abschluss für die Metall- und Elektroindustrie im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg ist der Weg frei für ein Ende des Tarifkonflikts in Deutschlands Schlüsselbranche. Arbeitgeber und IG Metall wollen den am Samstag in Sindelfingen vereinbarten Kompromiss bundesweit übernehmen, wie beide Seiten mitteilten. Der neue Tarifvertrag für die 800.000 Metaller im Bezirk Südwesten wird dann für alle 3,6 Millionen Beschäftigten der wichtigsten Industriebranche hierzulande gelten.

Die Einigung sieht eine Lohnsteigerung von 4,3 Prozent vor sowie grundsätzlich die unbefristete Übernahme von Ausgebildeten und mehr Mitsprache der Betriebsräte bei der Leiharbeit. Vor allem die letzten beiden Punkte waren lange strittig. Erst nach 18-stündiger Verhandlung war der Abschluss am Samstag früh um vier Uhr unter Dach und Fach. Damit konnten die Tarifpartner einen härteren Arbeitskampf abwenden. Die IG Metall hatte mit Warnstreiks von Hunderttausenden Metallern Druck gemacht und mit unbefristeten Streiks gedroht.

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber sagte, die Gewerkschaft habe sich einstimmig für eine bundesweite Übernahme des Abschlusses ausgesprochen. Auch die Arbeitgeber plädierten dafür. Der Kompromiss sei für die gesamte Branche tragfähig, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser.

Zwar hatten sich die sächsischen Metall-Arbeitgeber bei der Abstimmung enthalten, doch wollen sie den Abschluss dennoch übernehmen. Zustimmung kam auch schon von weiteren Tarifbezirken, darunter Mitte mit Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland sowie Küste mit den norddeutschen Ländern. Rein formal muss die Einigung noch von den obersten Gremien der Tarifpartner abgesegnet werden. Das gilt aber als sicher.

IG-Metall-Chef Huber nannte den Abschluss, der in der fünften Verhandlungsrunde erzielt wurde, einen guten Kompromiss und "ein besonderes Ergebnis". In allen drei Punkten sei die IG Metall vorangekommen, sagte er. Kannegiesser erklärte, die Vereinbarungen ließen den Betrieben "die notwendige Flexibilität". "Dieser Abschluss war eine recht komplizierte Geburt", sagte er am Sonntag. Der Großteil der Betriebe könne mit dem Ergebnis leben.

Laut der Einigung bekommen die Beschäftigten rückwirkend zum 1. Mai 4,3 Prozent mehr Geld. Das ist rein nach den Zahlen der höchste Lohnzuwachs in 20 Jahren. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 13 Monaten. Die IG Metall war mit einer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten zunächst drei Prozent über 14 Monate geboten. Ihr Verhandlungsführer, Südwestmetall-Chef Rainer Dulger, sagte, die Betriebe seien "an die Grenze der Belastbarkeit" gegangen.

Darüber hinaus einigten sich die Tarifparteien grundsätzlich auf die unbefristete Übernahme ausgebildeter Lehrlinge. Allerdings muss ein Arbeitgeber laut der Vereinbarung nur den Ausgebildeten ein Angebot machen, "die er tatsächlich benötigt". Ausnahmen sind auch möglich "bei akuten Beschäftigungsproblemen" im Betrieb oder "wenn personenbedingte Gründe eine Übernahme unmöglich machen", also wenn etwa die Chemie zwischen Lehrling und Chef nicht stimmt.

Zwtl.: Nach 24 Monaten müssen Leiharbeiter ein Angebot bekommen

Beim Thema Leiharbeit setzte die IG Metall mehr Mitsprache für die Betriebsräte durch. Gemäß dem neuen Vertrag darf ein Leiharbeiter ohne Einschränkung 18 Monate eingesetzt werden. Nach 24 Monaten muss er jedoch ein Übernahmeangebot bekommen. Ausnahmen sind aber möglich. Ebenso fehlen einheitliche Bestimmungen für alle Betriebe. Zudem bleiben Leiharbeiter nach Angaben von Gesamtmetall im Schnitt nur sechs bis sieben Monate in ein und derselben Firma.

Die Tarifpartner vereinbarten auch eine Förderung für benachteiligte Jugendliche, um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

dapd

Ausländische Ärzte sollten Deutsch können

Ausländische Ärzte sollten Deutsch können

Nürnberg (dapd). Zum Schutz der Patienten fordert der Marburger Bund die Einführung von Sprachprüfungen für ausländische Ärzte. Auf ihrer Hauptversammlung am Wochenende in Nürnberg verlangte die Ärztegewerkschaft auch mehr Geld für Krankenhäuser. Darüber hinaus sollen sich die Bonuszahlungen für Chefärzte nicht an steigenden Fallzahlen, sondern an Qualitätskriterien orientieren.

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, sagte: "Ein Arzt aus einem Drittland muss mehr können, als in der Nachtschicht Pizza zu bestellen." Ausländische Ärzte müssten von ihren deutschen Arbeitgebern eine mehrmonatige Sprachausbildung und eine Einführung in das deutsche Gesundheitssystem erhalten. Mindeststandard sei die Fähigkeit, praxistaugliche Arztbriefe und Behandlungsempfehlungen für die Patienten verfassen zu können.

"Unter diesem Niveau sollte kein Arzt aus dem Ausland eine Zulassung in Deutschland erhalten", sagte Henke. Der Marburger Bund geht davon aus, dass sich durch die Krise in der Eurozone in den kommenden Monaten verstärkt junge Mediziner aus Griechenland und Spanien an deutschen Krankenhäusern bewerben werden.

Vor dem am Dienstag beginnenden 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg beschäftigten sich die Delegierten auch mit dem von der Bundesregierung geplanten Patientenrechtegesetz. "Das hat noch einige Zähne, die wir ziehen müssen", sagte Henke. Kritik übte er vor allem an der geplanten Verpflichtung, dass Patienten vor einer Operation von dem Arzt aufgeklärt werden müssen, der tatsächlich den Eingriff vornimmt.

Das ist nach Henkes Ansicht "unsinnig und realitätsfremd". Seiner Einschätzung nach würde dies dazu führen, "dass nicht mehr genug erfahrene Ärzte für Operationen an den Kliniken zur Verfügung stehen, weil sie mit Aufklärungsgesprächen beschäftigt sind".

Der Verband der beamteten und angestellten Ärzte verlangte, die Krankenhäuser endlich finanziell ausreichend auszustatten. Die wegen Investitionskosten, Tarifsteigerungen und Fortschritten in der Medizin entstehenden Finanzprobleme dürften nicht auf dem Rücken von Patienten und Beschäftigten ausgetragen werden.

Mit Sorge sieht die Ärztegewerkschaft, dass immer mehr Chefarztverträge variable Einkommensbestandteile enthalten, die primär an das Erreichen ökonomisch orientierter Ziele gekoppelt sind. Solche Anreize, beispielsweise zur Steigerung der Fallzahlen, würden die Unabhängigkeit von medizinischen Entscheidungen gefährden. Die Hauptversammlung forderte, Bonuszahlungen sollten sich vor allem an Kriterien wie der Einführung von Qualitätskennzahlen oder Patientensicherheitssystemen orientieren.

Der Marburger Bund als Verband der angestellten und beamteten Ärzte in Deutschland hat nach eigenen Angaben mehr als 110.000 Mitglieder.

( http://www.marburger-bund.de )

dapd

Opel-Betriebsrat fordert Klarheit über Zukunft von Bochum

Opel-Betriebsrat fordert Klarheit über Zukunft von Bochum

Bochum (dapd). Der Betriebsrat des bedrohten Opel-Werks in Bochum verlangt von der Führung des kriselnden Autoherstellers eindeutige Aussagen zur Zukunft des Standorts. Bei einer Betriebsversammlung am Montag will die Belegschaft von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke Klarheit darüber, ob der Familienvan Zafira weiter in Bochum gebaut werde, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel am Sonntag der Nachrichtenagentur dapd. "Das ist die Schlüsselfrage", erklärte er.

Opel hatte am Donnerstag entschieden, die Produktion des Erfolgsmodells Astra vom Stammwerk Rüsselsheim abzuziehen und ab 2015 nach England und Polen zu verlagern. Der Bochumer Betriebsrat fürchtet, dass dafür die Zafira-Herstellung nach Rüsselsheim gehen könnte und Bochum damit vor dem Aus steht.

Einenkel warf der Opel-Führung vor, die Belegschaften der Werke gegeneinander auszuspielen. So sei dem Werk Rüsselsheim der Zafira angeboten worden, wenn die Beschäftigten zu Zugeständnissen bereit wären. Opel hatte das allerdings dementiert. "Man muss zu einem sauberen Gespräch zurückkehren", sagte Einenkel.

Zu der Bochumer Betriebsversammlung will auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kommen.

dapd

Rückendeckung statt Schelte

Rückendeckung statt Schelte

Camp David (dapd). Statt Schelte hat Kanzlerin Angela Merkel von ihren G-8-Kollegen Rückendeckung für ihre Europolitik erhalten: Zwar rief der Gipfel in Camp David die EU am Wochenende zu einer stärkeren Wachstumspolitik auf. Er unterstützte aber auch demonstrativ das Festhalten am Sparkurs. "Konsolidierung und Wachstum sind zwei Seiten einer Medaille. Darüber waren sich alle einig, und das ist ein großer Fortschritt", sagte Merkel.

US-Präsident und Gipfel-Gastgeber Barack Obama akzeptierte die Linie der Kanzlerin. "Künstliche Schübe" für die Konjunktur seien nicht notwendig, dafür aber Arbeitsmarktreformen, sagte er. In der Gipfelerklärung heißt es: "Wir müssen handeln, um das Vertrauen zu stärken und die Erholung zu fördern. Dazu gehören Reformen zur Steigerung von Produktivität, Wachstum und Nachfrage."

Um ein "herkömmliches" Konjunkturprogramm wie nach der letzten Wirtschaftskrise 2008-2009 gehe es nicht, bekräftigte die Kanzlerin ihre Position. Finanzielle Wachstumsimpulse könnten lediglich durch Investitionen in Forschung und Infrastruktur gegeben werden, in Europa etwa in digitale Netze.

Merkel: Mit Frankreich auf einer Seite

Vor dem Gipfelauftakt hatten Obama und Frankreichs neuer Staatspräsident François Hollande eine "starke Wachstumsagenda" eingefordert. Das wurde als Botschaft an Berlin verstanden, mehr zur Rettung Griechenlands und Spaniens und gegen das Auseinanderbrechen der Währungsunion zu tun. Nun betonte Merkel, Frankreich und Deutschland stünden "nicht auf zwei Seiten". Die Gespräche seien "sehr offen" gewesen, sagte Hollande, und hob hervor, dass sich niemand in seinen Positionen vergraben hätte.

Um das Schicksal Griechenlands, das vor Neuwahlen am 17. Juni steht, kümmerten sich die G-8-Chefs intensiv. "Wir wollen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt, vorausgesetzt, es erfüllt seine Verpflichtungen", heißt es in der Gipfelerklärung. Damit stellten sich auch die USA hinter den deutschen Standpunkt, man könne den Hellenen keinen bedingungslosen Freifahrtsschein ausstellen.

Dass das Spar- und Reformprogramm für Athen gelockert werden könne, stehe nicht zur Debatte, sagte Merkel. Wohl könne man dem Land aber stärker helfen, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Etwa über die Strukturfonds der EU oder über die Europäische Investitionsbank (EIB). "Wo immer das verstärkt werden kann, werden wir das wohlwollend prüfen."

Der Gipfel öffnete den Europäern aber die Tür, um Ländern wie Spanien und Italien mehr Zeit zum Sparen zu geben: Die Konsolidierung müsse "die wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigen und die Erholung stützen", hieß er in der Abschlusserklärung.

"Dir geht wohl einiges durch den Kopf"

Bei der Begrüßung auf seinem Landsitz bei Washington am Freitagabend hatte Obama noch gestichelt: Als die Kanzlerin auf die Frage, wie es ihr so gehe, nur mit den Schultern zuckte, sagte er schmunzelnd und mit Blick auf das Griechenland-Chaos: "Well, Dir geht wohl einiges durch den Kopf." Aber auch Frischling Hollande bekam sein Fett weg. Der Franzose war als einziger mit Krawatte erschienen, das war Obama zu steif. "François, wir hatten doch gesagt, Du kannst das abnehmen."

An dem kurzen Gipfel nahmen neben Obama, Merkel und Hollande auch die Regierungschefs aus Großbritannien, Italien, Kanada und Japan teil. Aus Russland war statt Präsident Wladimir Putin sein Ministerpräsident Dmitri Medwedew angereist, mit dem sich Merkel auch zu einem bilateralen Gespräch traf.

Medwedew verhindert schärfere Gangart gegenüber Assad

Verhandelt wurde in Camp David auch über Maßnahmen gegen einen neuerlichen Anstieg der Ölpreise. Und dabei drückte Obama durch, dass die G-8-Staaten bei Unterbrechungen der Ölversorgung ihre strategischen Ölreserven anzapfen können.

Dem Iran warf der Gipfel vor, mit seinem Atomprogramm weiter internationale Verpflichtungen zu brechen. Der Weg aus Sanktionen und Druck bei gleichzeitigem Verhandlungsangebot müsse deswegen fortgesetzt werden, um eine atomare Bewaffnung Teherans zu verhindern, sagte Obama. Hoffnung setzen die G-8 auf die nächste Runde internationaler Verhandlungen in Bagdad.

Mit Blick auf Syrien sagte der US-Präsident, die G-8 seien "tief besorgt über die anhaltende Gewalt". Der Friedensplan des UN-Sondergesandten Kofi Annan müsse vollständig umgesetzt werden. Merkel fügte hinzu: "Wir appellieren an das Regime Assad: Die Gewalt muss beendet werden." Eine schärfere Gangart verhinderte Russland.

dapd

Nutzung aller Restkapazitäten in Tegel und Schönefeld erforderlich

Nutzung aller Restkapazitäten in Tegel und Schönefeld erforderlich

Berlin (dapd). Nur bei Nutzung "aller irgend möglichen Restkapazitäten" an den Berliner Airports Tegel und Schönefeld werden Lufthansa und Air Berlin ihre Expansionspläne ab 3. Juni auch ohne den neuen Hauptstadtflughafen umsetzen können. Das erklärte die Flughafenkoordination der Bundesrepublik in Frankfurt am Main auf dapd-Anfrage.

"Derzeit gibt es keine Erkenntnisse, dass der für BER geplante Flugplan von den ‘alten’ Flughäfen unter Nutzung aller irgend möglichen Restkapazitäten nicht abgewickelt werden kann", hieß es wörtlich. Die beiden Fluggesellschaften sind nach eigenen Aussagen entschlossen, ihre deutlich erweiterten Flugpläne ungeachtet der verschobenen Eröffnung des Hauptstadtflughafens "Willy Brandt" (BER) von Tegel aus umzusetzen. Dieser Airport gilt jetzt bereits als überlastet, hauptsächlich jedoch wegen der eingeschränkten Kapazität am Boden. Das Terminal ist klein, und es gibt zu wenige Abstellmöglichkeiten für Flugzeuge, die beispielsweise über Nacht in Berlin bleiben sollen.

"Welche Airlines welche Slots und an welchem Flughafen bekommen, wird bekanntgegeben, wenn der Planungsprozess abgeschlossen ist", erklärte der Flughafenkoordinator weiter. Bis Dienstag (22. Mai) haben die Fluggesellschaften Zeit, ihre Anträge dort einzureichen. Am 24. Mai sollen die Slots dann feststehen.

Bis zu 80 Flüge pro Stunde

Luftseitig ist die Kapazität der beiden "alten" Flughäfen zusammengenommen nur unwesentlich geringer als die des neuen. Die Tabelle der Frankfurter Behörde nennt als Eckdaten für 60 Minuten gemischten (also An- und Abflug-) Betrieb für BER 73 bis 80 Flüge, für Schönefeld 26 und für Tegel 52, zusammen also 78.

Die Summierung hilft aber besonders Air Berlin wenig, da sie den neuen Flughafen als Drehkreuz installieren wollte und daher auf kurze Wege für Umsteiger angewiesen ist. Selbst wenn sie das ausschließlich in Tegel umsetzen kann, wird es eine große logistische Herausforderung, die Flugzeuge so aufzustellen, dass Passagiere hinreichend zuverlässig umsteigen können beziehungsweise das Gepäck zeitgerecht umgeladen werden kann. Es geht um insgesamt bis zu zwei Millionen Buchungen, die bereits unter der Voraussetzung angenommen worden waren, dass der Hauptstadtflughafen am 3. Juni in Betrieb geht.

Berlins Regierender Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit hatte wegen Sicherheitsbedenken am 8. Mai den Eröffnungszeitpunkt 3. Juni gekippt und am Donnerstag den 17. März 2013 als neuen Termin genannt. Damit müssen die beiden alten Flughäfen noch mindestens bis zu diesem Termin offen gehalten werden.

dapd

Weidmann: Griechen entscheiden selbst über Euro-Mitgliedschaft

Weidmann: Griechen entscheiden selbst über Euro-Mitgliedschaft

Frankfurt/Main (dapd). Die Griechen müssen aus Sicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann selbst über ihren Verbleib oder Ausstieg aus dem Euroraum bestimmen. "Das liegt in der Hand der griechischen Bevölkerung und der von ihr gewählten Volksvertreter", sagte Weidmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Währungsunion bestehe aus eigenverantwortlichen Staaten, die letztlich über ihr eigenes Schicksal entschieden

Die Lage in Griechenland sei sehr ernst, erklärte Weidmann. Das Reform- und Sparprogramm für das angeschlagene Land sei notwendig. "Gleichzeitig ist es die Grundlage für alle Hilfsmaßnahmen", sagte der Bundesbank-Chef. Die griechische und die europäische Politik müssten sich möglichst rasch darauf festlegen, wie es weitergehen solle.

dapd

Unternehmen für Bildungsoffensiven in Kindergärten und Grundschulen

Unternehmen für Bildungsoffensiven in Kindergärten und Grundschulen

Berlin (dapd). Führende deutsche Unternehmensvertreter appellieren an die Wirtschaft, angesichts des Mangels an qualifizierten Fachkräften stärker in Kindergärten und Schulen zu investieren. "Die Unternehmen müssen sich engagieren. Wenn sie qualifizierten Nachwuchs haben wollen, bleibt ihnen keine andere Wahl", sagte der Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Arbeitgeberverbände, Gerhard Braun, der Zeitung "Welt am Sonntag".

Die Forderung wird von führenden Industrieunternehmen aufgegriffen. "Bildung ist für unser Land wie Sauerstoff für unsere Lunge: zu wenig davon – und uns geht die Puste aus", sagt Dieter Zetsche, Daimler-Vorstandsvorsitzender. Bosch-Vorstandschef Franz Fehrenbach erklärt: "Wir wollen den vielen kreativen Kindern und Jugendlichen im Land früh genug zeigen, dass Technik Spaß macht."

Bosch und Daimler gehören zu den mittlerweile fast 100 Mitgliedern der Initiative Wissensfabrik, die sich das Ziel gesetzt hat, unter Kindern die Begeisterung für Naturwissenschaften zu wecken.

dapd

Verkehrsminister Ramsauer setzt Berliner "Soko Flughafen" ein

Verkehrsminister Ramsauer setzt Berliner "Soko Flughafen" ein

Berlin (dapd). Nach der Verschiebung des Eröffnungstermins des neuen Berliner Flughafens hat Verkehrsminister Peter Ramsauer eine "Soko Flughafen" eingesetzt. "Das Flughafen-Management muss jetzt endlich hieb- und stichfest liefern – mit voller Transparenz gegenüber dem Aufsichtsrat", sagte der CSU-Politiker der Zeitung "Bild am Sonntag".

Die Arbeitsgruppe soll den vorläufigen Flugbetrieb, die Start- und Landezeiten sowie die Flughafenkoordination in Tegel und Schönefeld sicherstellen. Als neuer Eröffnungstermin gilt nun der 17. März 2013.

dapd